Neue Wege der Werbung

Januar 23, 2009

Der einsame Wolf stapfte durch den Schnee. Furchtlos durchfloss klirrende Kälte unter dem Deckmantel der Sanftheit seine Pfoten. “Wo bin ich hier nur…?”, fragte sich Harry. Zugegebenermaßen ist Harry ein ungewöhnlicher Name für einen Wolf. Vielleicht wäre Peter ein passenderer Name gewesen. Susi, die Mutter von Harry, hatte nach seiner Geburt andere Dinge im Kopf, als sich irgendwelche blöden Namen für ihre Gören auszudenken. Es war jedes Jahr das gleiche. Erst brachte Susi ein Pack frischer Gören ans Licht der Welt – im ersten Moment waren sie noch knuffige kleine Fellbälle, deren Augen sich kaum öffnen konnten, weil die beißende Kälte des Windes es verhinderte – doch dann stritten sie sich nur noch um die Milch, um Mädchen, und später einmal um das Revier. Harry blieb stehen. Unter ihm lag das Tal in dem die Menschen in Hütten lebten. Es war tiefschwarze Nacht. Hinter den Fenstern der Holzhütten funkelten warme Lichter. Die Zuckerhüte der Berge schmückten die Krone der Stadt. Die Spitze des großen Namumapak Berges versuchte an diesem Abend, den Vollmond aufzuspießen. Doch es gelang ihr nicht, so dass die Sterne zu kichern anfingen…

PLÖTZLICH ERTÖNT EINE STIMME: “Gib mir noch ein Bier, Cliff, am liebsten ein kühles blondes Beck’s. Oh ja… es gibt nichts, was mich an einem schönen Abend vor der Glotze glücklicher machen kann, als dieses sprudelnde Resultat deutscher Braukunst. Ich wette, du willst jetzt auch ein Beck’s. Geh’ doch schnell zur Tanke und hol’ Dir eins!”
“Was war denn das,” fragte sich Harry der Wolf. “Diese allmächtige Stimme. Vielleicht ist ja doch etwas an diesem Mister Gott dran, von dem die Menschen die ganze Zeit über reden.” Ein bebender Rausch von Demut durchfloss alle Adern in Harrys Körper. Er war in der Absicht gekommen, sich ein Schaf oder eine Kuh zu reißen. Sein Magen knurrte. Ein Mensch würde es vielleicht auch tun, aber sie schmeckten einfach abscheulich. Angesichts dieser Erscheinung versteinerte Harry für einen kurzen Augenblick. Dann heulte er und rannte davon.
Harry konnte nicht wissen, dass er Teil einer neuartigen Werbestrategie eines renommierten Buchverlages war. Die Forschungsabteilung dieses Verlages hatte es tatsächlich geschafft, einen Zugang zu den neuronalen Bahnen des  Menschen zu finden, während er las. Natürlich war das genaue Verfahren geheim. Man munkelte, dass es sich um eine spezielle Tinte handelte. Jedenfalls rannten alle möglichen Unternehmen dem Verlag die Türen ein. Die Bücher wurden billiger. Mehr Leute kauften die Bücher. Viele Menschen wurden auf unerklärbare Weise süchtig nach den Büchern dieses einen Verlags. Einige Gesellschaften befanden sich schon am Rande der Hysterie.

Es war in dieser schwierigen Zeit, als ein staatenloser Geheimagent die Weltbühne betrat – hinter dem geschlossenen Vorhang natürlich. Er trug den Namen Hakon. Er vollbrachte viele Heldentaten, von denen hier noch zu lesen sein wird.

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